Sich mögen” entzweit die Netzgemeinschaft

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Dies war Zucker­bergs neuer Streich, der nächste folgt sogleich

Nichts bewegt die Netz­ge­meinde so sehr, wie der wel­len­schla­gende “Like-Button” von Face­book.
So ein klei­ner Pixel­hau­fen, den man auf der eige­nen Web­site ein­bin­den soll, damit andere mun­ter dar­auf loskli­cken und ver­klärt ver­kün­den, wie sehr sie einen mögen.

Wie der But­ton funk­tio­niert (wenn das über­haupt bis­her jemand so rich­tig weiss!) erläu­tere ich hier nicht mehr, dazu gibt es genug Beschrei­bun­gen unter ande­rem hier oder dort sogar, wie man den in einer eige­nen WordPress-Site einbindet.

Was er bringt wird sich zei­gen, was er nicht bringt eben­falls. Was er bewirkt ist schon jetzt klar. Er spal­tet die Mei­nun­gen, er macht nach­denk­lich und er macht unsi­cher. Wohl alles das, was Facebook-Man Zucker­berg sicher ein­kal­ku­liert hat.

Auch andere nut­zen das Ver­un­si­che­rungs– und Bad-News-Prinzip, um auf sich auf­merk­sam zu machen und sogar einen gewis­sen Grad an Attrak­ti­vi­tät zu bekom­men. Namen seien hier nicht genannt. Da kann sich jeder sei­nen “Lieb­ling” denken.

Doch Web­site­be­trei­ber sit­zen wie­der mal zwi­schen den Stüh­len. Auf Ihnen liegt nun die Ver­ant­wor­tung sich zwi­schen einer neuen und beson­ders “lukra­ti­ven” Mög­lich­keit die Auf­merk­sam­kei­ten auf den eige­nen Con­tent zu zie­hen oder die eigene Ziel­gruppe vor der daten­schutz­be­denk­li­chen Sam­mel­wut zu schützen.

Man selbst hat wohl kaum noch die Wahl und muss damit rech­nen von Face­book “getrackt” zu wer­den, wenn eine besuchte Site den But­ton und die vie­len ande­ren “Facebook-Features” ein­ge­baut hat.

Alle die, die selbst bei Face­book sind, soll­ten dabei beden­ken, ob es ihnen recht ist, dass man viel­leicht mit­be­kommt, was man so mag (oder auch nicht!).

Wie dem auch sei, wird die nächste Zeit zei­gen, was hin­ter dem Hype, den Befürch­tun­gen und den Ver­spre­chun­gen tat­säch­lich zu fin­den ist. Viel­leicht wird auch gerade wie­der alles hei­ßer geges­sen, als gekocht.

Ich wage es, mit fol­gen­der Aus­sage ein ande­res Öl ins Feuer zu gie­ßen.
Wer regt sich noch über andere Daten­sam­mel­lei­den­schaf­ten auf? Neh­men wir nicht ohne groß­ar­tig dar­über nach­zu­den­ken Adwords und –sense wort­los hin? Benut­zen wir nicht alle irgend­wie und –wann einen Rou­ten­pla­ner oder gucken ver­zückt auf das Dach des Hau­ses in dem wir woh­nen? Küm­mern wir uns wirk­lich ernst­haft darum, was wir wann und wie in eine Tas­ta­tur klim­pern und ver­trauen wir dabei völ­lig dem zugrun­de­lie­ge­nen­den Sys­tem, dass unsere intims­ten Daten hütet? Sind wir nicht (fast!) alle sowieso nahezu per­ma­nent mit ande­ren verbunden?

Face­book ist aktu­ell der Fokus aller Skep­sis, Ziel jed­we­der Kri­tik. Nicht ohne Grund, ja. Doch wer wird es mor­gen sein?

Wel­che Mög­lich­kei­ten haben wir denn über­haupt noch unsere Daten und unsere Intim­sphäre zu schüt­zen?
Im Grunde ist das Kind längst im Brun­nen ertrun­ken. Als letzte Kon­se­quenz bleibt einem selbst doch nur, den Ste­cker und sich in die Offline-Gesellschaft zurück zu zie­hen. Doch wer garan­tiert einem dann, dass nichts über sich ver­brei­tet wird? On– oder Offline?

Es bleibt schwer. Schwer, dar­über zu dis­ku­tie­ren. Schwer, das Posi­tive zu umge­hen. Schwer, das Nega­tive zu akzeptieren.

Ich stelle eine Frage in den Raum, die unter Umstän­den phi­lo­so­phi­schen Aspekt genießt: Was wäre wenn es abso­lut keine Geheim­nisse mehr gäbe? JEDER wüßte ALLES über JEDEN? Ohne Rest­ri­siko?
Ich behaupte, dass das Intime dann sehr schnell sei­nen Reiz ver­lie­ren würde. Aller­dings würde es dann auch kei­nen digi­ta­len Voy­eu­ris­mus oder Exhi­bi­tio­nis­mus mehr geben und das Netz, die Gesell­schaft selbst ver­löre den Reiz.

Oder!?

Ich denke, dass ich dem Trend nicht wider­ste­hen werde und “ihn” mögen werde — mit gemisch­ten Gefüh­len, ja — aber ich werde auf der Welle mit­schwim­men und den “klei­nen Dau­men hoch” in die Web­site einbauen.

Zum Schluss habe ich aber noch eines. Ich wäre nicht umsonst Zicke und Worst-Case-Denker. Für Twit­ter wurde es gerade besie­gelt. Für Face­book bekommt das Thema erneut unbe­schreib­li­che Rele­vanz und wird wohl — denkt an mich — ganz bestimmt, zumin­dest in der Inter­net­zone über Deutsch­land, eine neue Rolle bekom­men: Die Linkhaftung.

Wir wer­den sehen.

Update

Um dem gan­zen den Wind etwas aus den Segeln zu neh­men, kann man als Website-Betreiber bei­des haben: den Like-Button und ein gewis­ses Maß an Daten­schutz für die Besu­cher.
Beschrie­ben wird dies von Dorian Roy. Gefun­den habe ich das über Anja Krie­ger, die übri­gens sehr aus­führ­lich und sach­lich das Thema beschreibt.

Danke.

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